Unter Beschuss
Sophie und ich hatten gestern noch ausgemacht, dass wir am nächsten Tag in den See wollen und nachdem sich auch die anderen beiden überzeugt lassen haben, sind wir alle 4 ins Gewässer gesprungen. Nach kurzer Zeit hat es sogar noch angefangen leicht zu tröpfeln, was den Badespaß um einiges aufgewertet hat.
Nachdem wir alle wieder trocken waren, ging es los Richtung Alexandra, der Stadt, wo die Kirschfarm, auf welcher wir arbeiten wollen, stationiert ist. Dort angekommen ist uns als erstes das Schild „Achtung, hier wird von 6 – 21 Uhr geschossen“ aufgefallen, aber weil wir auf eine Farm fahren, haben wir uns erstmal nichts weiter gedacht. Der Papierkram war unkompliziert und schnell erledigt und dann ging es auch schon zum Campingplatz. Ähnlich wie bei Selena (Kiwi Farm im Motueka) lässt die Farm uns auf ihrem Anwesen, gegen einen kleine Preis, schlafen, den sie dann einfach vom Gehalt abziehen. Wir waren also recht zuversichtlich, was jedoch schnell zerstört wurde als wir den Platz gesehen haben, wo wir schlafen sollten. Der Rasen war komplett überfüllt und auch in der Küche konnte man aufgrund der komplett vollgestellten Regale erkennen, wie viele Menschen hier übernachten. Aber durch sowas muss man als Backpacker wahrscheinlich einfach durch, weshalb uns nicht mal die Dixiklos und Dixiduschen so stark störten. Ganz im Gegensatz zu den Männern, die in Camouflage Ausrüstung mit Schusswaffen durch die Gegend gelaufen sind. Zudem hatten sie noch einen Patronengürtel und eine Kopfverschleierung um. Man hat sich ehrlich gefühlt wie in einem Kriegsgebiet, nur, dass hier keine anderen Menschen, sondern die Vögel, die die Kirschen klauen, die Opfer sind. Also man muss sich das so vorstellen, dass ein Quad durch die Reihen fährt und laute Knallgeräusche macht, sodass die Vögel aufgescheucht werden und hoch fliegen und dann kommen die Schützen zum Zug und schießen eben diese ab. Und das ist für uns ja eigentlich ganz ungefährlich und die haben, zumindest wird das so kommuniziert, alle eine extra Ausbildung aber wenn man eben auf Leitern neben den Vögeln, oben in den Bäumen arbeitet, dann hat das Alles einen ganz komischen Nebengeschmack.
Es folgt eine Aufnahme von 30 Sekunden in denen man 3 Schüsse laut und gut hört. (Hintergrund Gerede kann ignoriert werden.)
Die Arbeit an sich hingegen war einigermaßen bewältigbar und auch der einzige Grund weshalb wir es am Ende sogar 3 Tage dort ausgehalten haben. Und vielleicht das ganze Kirschenessen, was wir uns natürlich in jeder unbeobachteten Sekunde nicht nehmen lassen haben. Am Anfang waren wir da noch relativ vorsichtig und haben eine Kirsche pro Stunde gegessen, gegen Ende saßen wir dann aber auch gut mal 10 Minuten oben auf der Leiter und haben uns jede gepflückte Kirsche in den Mund geschoben. Man munkelt wir haben am letzten Tag sogar unsere Brotboxen unauffällig mit den Früchten aufgefüllt und mitgehen lassen. Nachdem wir aber frisch geschossenen Hasen, welcher in der Küche gerade auseinander genommen wurde, mehrere tote Vögel (also man sieht, dass sie wirklich einfach im Flug erschossen wurden und genauso, mit ausgebreiteten Flügeln, liegen sie dann am Boden) und ein paar Schüsse, die sich eindeutige zu nah angehört haben, mitbekommen haben, hat sich unser Wille, die Farm zu verlassen , immer mehr gestärkt. Und genau das haben wir Sonntag nach der Arbeit auch auf schnellstem Weg gemacht.
Alles in allem war das Ganze wahrscheinlich gar nicht so gefährlich wie es uns vorkam aber man muss ja auch nicht alles mitmachen um Geld zu verdienen und in dem Fall haben wir uns alle einfach unwohl gefühlt und zudem wollten wir nicht unterstützen, dass dort pro Tage duzende Vögel erschossen werden. Ich kenne mich natürlich nicht aus aber da gäbe es doch andere Methoden, wie große Netze die über die Bäume gespannt werden, was zwar einmal Aufwand bedeutet, sich aber langfristig gesehen bestimmt lohnen könnte.







