Schnapsidee mit Kiwisichtung
Für heute ist wie gesagt, der Ausflug nach Stewart Island geplant und um das Ganze mal einzuordnen, unser Plan ist es, eine Wanderung von fast 40 Kilometern, die normalerweise drei Tage dauert und auf welcher man auf zwei Hütte auf dem Weg schläft, in einer Nacht zu machen. Wie wir darauf gekommen sind, weiß ich auch nicht mehr genau aber auf jeden Fall hatten wir keine drei Tage Zeit, da wir uns Silvester mit Freunden treffen wollten und außerdem waren die Hütten gut teuer. Darüberhinaus ist Stewart Island als Heimat für relativ viele Kiwis bekannt und da diese bekanntlich nachtaktiv sind, haben wir gehofft, dass wir vielleicht sogar welche sehen.
Im Internet und aus den Erfahrungsberichten von zwei Freunden, welche vor 2 Monaten schon dort waren, ist der Weg als sehr schlammig beschrieben, weshalb wir als Vorbereitung nochmal nach Invercargill gefahren sind um warme Ersatzsocken und Stirnlampen zu kaufen. Als all das erledigt war, ging es gegen 13:45 Uhr auf die Fähre. Nach ca einer Stunde sind wir dann auf der kleinen Insel angekommen und haben uns dort erstmal an den Strand gesetzt und Mittag bzw. Frühstück gegessen.
Nachdem die letzten Vorbereitungen, wie Zöpfe machen und ein letzter Toilettengang, erledigt waren, haben wir uns um 17:30 Uhr auf den Weg gemacht. die ersten 5 Kilometer ging es noch an der Straße entlang um zum Anfang des Wanderweges zu gelangen. Die Blicke waren hier schon unglaublich aber man hat gemerkt, dass es gut anstrengend werden wird, vor allem mit dem Rucksack auf dem Rücken, welcher aufgrund des Wassers, des Essens und der ganzen Klamotten (wir konnten super schlecht einschätzen wie viel wir für die Nacht brauchen werden) gut schwer war.
Der erste Teil des Weges ging am Meer, für ungefähr 12 Kilometer, entlang und hat seine Versprechungen, für die schönsten Blicke, auf jeden Fall gehalten. Der Sonnenuntergang, den wir zwar nicht aktiv sehen konnten, welcher die Bäume und Berge dennoch in goldenes Licht gehüllt hat, hat das Ganze zusätzlich nochmal aufgewertet.
Der zweite Teil des Weges führte uns ins Innere der Insel, um einmal den Wald zur anderen Seite zu durchqueren. Mit Aussicht auf die nächsten 13 Kilometer durch den Wald, haben wir, um Motivation zu tanken, erstmal Pause gemacht und jeweils die erste Box voll Nudeln verdrückt. Mit frischer Energie und neuer Kraft ging es daraufhin wieder los und schon eine halbe Stunde später war es stockfinster und wir mussten unsere Stirnlampen heraus kramen. Anfangs war die Dunkelheit und die vielen Tiere, die, je dunkler es wurde, immer lauter wurden, noch furchteinflößend, aber mit der Zeit hat die Angst nachgelassen und man hat sich an den Wald und dessen Stimmen gewöhnt. Das einzige Mal wo wir alle wirklich wieder Panik bekommen haben, war, als plötzlich ein Tier im Gebüsch neben uns, für mindestens 10 Sekunden, angefangen hat zu schreien. Der Laut klang super surreal und hat fast an eine Alarmanlage erinnert und uns bei der Lautstärke eher an ein etwas größeres Tier denken lassen. Der nächste Kilometer war von da an von dauerhaftem zurück schauen und einem mulmigen Gefühl geprägt. Als wir dann aber einen Kiwi am Wasser trinken sehen konnten, war das Gefühl vergessen und wir wurden alle ganz aufgeregt. Da dieser Kiwi aber relativ schnell im Gebüsch verschwunden war, waren wir umso glücklicher, als wir ca. 20 Minuten später einen Kiwi direkt vor uns auf dem Weg hatten. Max, welcher die ganze Zeit vorne gelaufen ist, hat sich richtig erschrocken, da der, schon gut große, Kiwi vor ihm auf die Straße gewatschelt ist. Reflexartig haben wir alle schnell das rote Licht unserer Stirnlampe angemacht um das Tier nicht zu blenden und dann ist der Kiwi für ca 10 Minuten um uns herum gewatschelt und hat sich die ganze Situation angeschaut. Das war richtig süß und wir waren alle einfach richtig glücklich das Nationaltier Neuseelands, was ja wirklich selten ist, gesehen zu haben. Mit neuer Motivation (der Kiwi hatte uns quasi sowas wie einen Boost gegeben) wurde der, sich immer mehr ziehende, Weg durch den Matsch erneut angetreten. Dennoch mussten wir nach kurzer Zeit mal wieder Pause machen und haben uns auf einer kleinen Lichtung auf den Boden gelegt und die Sterne, welche hier natürlich zahlreich zu sehen waren, beobachtet. Aus Vorsorgemaßnahme hat Max uns einen Wecker auf 30 Minuten gestellt und tatsächlich habe ich einige Minuten geschlafen, bis dieser geklingelt hat. Mittlerweile wurde der Matsch, durch den wir mussten immer mehr und man konnte nicht mehr so gut außen herum klettern. Obwohl David hier sogar einmal seinen Schuh verloren hat, man konnte ihn zum Glück wieder heraus ziehen, war der Matsch um einiges harmloser als erwartet.
Nach einer weiteren Pause und sich wie Kaugummi ziehende Kilometer, wurde es langsam hell. Fast gleichzeitig hörte auch der Wald auf und wir sind auf der anderen Seite der Insel, erneut am Meer angekommen. An einem, man hatte das Gefühl, unberührten Strand haben wir dann Frühstück (wieder die Nudeln juhu) gemacht und dem, immer heller werdenden, Himmel zugeschaut. „Nur“ noch 13 Kilometer! Mittlerweile waren wir alle, trotz näher kommender Aussicht aufs Ziel, immer kaputter und wir sind alle fast im laufen eingeschlafen. Tatsächlich hat man nur immer mal wieder stolpern gehört, weil jemand wieder in einen Sekundenschlaf gefallen ist und nicht mehr auf den Weg geachtet hat. Als das dann doch zu gefährlich wurde, haben wir eine erneute Pause mit kurzen Powernap eingelegt. Danach wurde es etwas besser und wir haben sogar, obwohl es schon hell war, erneut einen Kiwi im Busch hocken sehen.
Die letzten Kilometer waren wirklich ein Kampf, und sowohl die Füße und Beine, als auch der Rücken hat bei jedem von uns nur noch geschmerzt. Dennoch haben wir es geschafft und sind um 10 Uhr 30 (nach 17 Stunden über Berge, Matsch und Sand) am Startstrand angekommen. Mit letzter Kraft haben wir noch eine Gruppenbild gemacht um unseren Erfolg für die Nachwelt fest zu halten und im nächsten Moment lagen wir alle auf der Wiese direkt neben dem Strand und sind innerhalb von Sekunden eingeschlafen. Ca 2 Stunden lagen wir dort alle im Knockout, bis die Fish and Chips Bude aufgemacht hat und wir uns erstmal jeder eine Portion geholt hat um wieder zu Kräften zu kommen. Obwohl das wirklich gut getan hat, war der Weg (vielleicht 200 Meter) zur Fähre ein erneuerter Kampf gegen die Fußschmerzen, welchen wir aber natürlich gewonnen haben und so um 15 Uhr 30 wieder auf dem Weg Richtung Bluff waren. Wieder an Festland angelegt, haben David und Sophie dann noch ein Bild mit dem Kapitän, wir haben ihn Harald genannt (Anspielung auf Penny Markt Doku), gemacht, auf welches beide richtig stolz sind.
Zurück beim Campingplatz hat man die Übermüdung und Überanstrengung bei jedem deutlich gespürt und während David fast direkt eingeschlafen ist (er hatte auf der Wanderung, im Gegensatz zu uns überhaupt nicht geschlafen), haben wir anderen noch was gegessen, den nächsten Tag geplant und Sophie und ich haben sogar noch eine kurze Dehnsession auf dem Küchenboden eingelegt. Danach ging’s für alle ab ins Bett, wo ich innerhalb von Sekunden eingeschlafen bin.






























